Chapter 2 - Perth to Melbourne

Was ist die Definition von weit weg? Für viele wahrscheinlich Australien. Hierfür nimmt man sich ausnahmsweise besonders lang Urlaub und schafft dann doch kaum mehr als die Ostküste. Wir haben Zeit und wagen uns daher an den wilden Westen heran. Für uns war es in jedem Fall eines der Traumziele auf dieser Reise. Exotische Tiere, extrem gelassene und entspannte Zweibeiner und traumhafte Strände. Geträumt habe ich in der recht kurzen Nacht im Flugzeug wenig, aber eines ist klar, als wir vor unserem Camper für die nächsten Wochen stehen: davon träumen ist eher einer derer nächtlichen Szenen, wo man hofft, endlich aufzuwachen. 


Ein ausgesprochen betagtes Micra getauftes Vehikel steht vor uns. Auf ihm thront ein Dachzelt, wie eine rostige Krone eines längst abgesetzten Herrschers. Wir sollen die vorhandenen Schäden dieses einem Golfball gleichenden Etwas dokumentieren und könnten zu deren Dokumentation eigentlich einen großen Kreis um die gesamte Karre machen. Fensterheber auf der Beifahrerseite gab es mal, Knöpfe zum öffnen des Tanks sucht man vergeblich, Zentralverriegelung? Wer braucht so etwas schon, wenn man auch die Türen einzeln verschließen kann? Bei einer der ersten Fahrten fällt der Innenspiegel herunter. Auf einer Schotterpiste fällt das Handschuhfach ab. Wenigstens fährt das Teil und wir beten, dass wir alle Teile an Stellen verlieren, wo wir sie wiederbekommen. 


Wir starten unsere Reise mit diesem Mobil in Perth. Die Stadt ist super modern, ordentlich und strahlt genau die Gelassenheit aus, die wir uns hier erhofft haben. Auch das vor der Stadt liegende Rottnest Island ist mit seinen traumhaften Buchten ausgesprochen fotogen, genau wie die dort zahlreich lebenden Quokkas. Nicht ganz zu Unrecht ein Hype auf Instagram diese kleinen Kangaroos. Auch der Jahreswechsel in der Stadt war sehr entspannt. Es gab zwei Feuerwerke. Eines gegen 9:30 Uhr für die Kinder und später eins für die größeren Kinder. Insgesamt ein schönes Treiben und für das leibliche Wohl  wurde durch zahlreiche Foodtrucks gesorgt. So kann dieses reise-intensive Jahr in jedem Fall beginnen zumal wir den Abend und die Tage dort mit vertrauten Freunden aus der Heimat gemeinsam erleben durften. Das nenne ich mal eine weite Anreise zu einer Party - Respekt!


Der Westen Australiens hat alles was wir uns erhofft haben. Perfektes Wetter, zahllose Kangaroos zu beobachten und mehr Nationalparks als wir an unseren gemeinsamen Händen abzählen können. Dazu schneeweiße Sandstrände, die nicht nur so aussehen wie das gefrorene Pendant, das aktuell in heimischen Gefilden vom Himmel fällt, sondern der auch genauso beim darüber laufen klingt. Einfach traumhaft! 


Was uns danach erwartet ist die Nullarbor Ebene. 400 Kilometer sind wir gefahren um ein Schild mit unserem nächsten Ziel offeriert zu bekommen. 1986 KM bis Adelaide. Dazwischen könnt ihr euch die Landschaft nahezu komplett unbewohnt vorstellen. Alle 200-300 Kilometer wartet ein Roadhouse mit Kaltgetränken auf uns und unseren Golfball. 46 Grad im Schatten sollen es sein. Dieser ist jedoch maximal bis auf Kniehöhe zu finden und so fühlen wir uns in diesem Gefährt wie liebevoll aufgeteilte Kartoffelstäbchen in einem

Airfryer. Unter den immer spärlicher vorkommenden Bäumen tummeln sich die Tiere der Umgebung und so nimmt auf der ersten Hälfte der Strecke der Bewuchs meinem Haupthaar in den letzten 10 Jahren gleichend permanent ab. Erst lässt sich ein wirklicher Wald ausmachen, deren Lücken immer größer werden bis zu endlosen Ebenen mit kurz geschorenen Stoppeln. Je weiter wir uns dem Ziel nähern nimmt dieser jedoch wieder zu. Hier scheinen unserer Schicksale unterschiedliche Wege zu gehen. Endlich beherrscht wieder sattes Grün die uns nun umgebenden Hügel, die zum Anbau von Trauben genutzt werden. Das Barossa Valley und seine saftig grünen Weinberge. Woher die Pflanzen das Wasser nehmen ist mir ein Rätsel. An jeder Ecke gibt es Weinkeller und eigentlich ausnahmslos schmackhafte Tropfen zu probieren. Ein wahres Schlaraffenland für Feinschmecker und die, die noch überzeugt werden wollen. 


Nach der Abstinenz von spannender Natur begeben wir uns nach Kangaroo Island. Es ist einfach traumhaft. Auf jedem 5. Baum wartet ein verschlafener Koala auf uns, wie wir ihn fotografieren als wäre er ein Social Media Star vor der perfekten Kulisse. Nachts kommen uns Possums am

Auto besuchen und über uns scheinen endlos viele Sterne, die schon vor Jahrhunderten den hiesigen Erstentdeckern zugezwinkert haben. Die Insel ist zweifelsohne unser Highlight der letzten Wochen hier auf dem Kontinent und sollte auf keiner Reiseroute fehlen. 


Langsam wird es wieder belebter um uns herum und wir kommen in den Einflussbereich von Melbourne, das seine Tagestouristen wie Tentakeln  eines Tintenfisches in die Umgebung erstreckt. Nicht unerheblich viele Selbstfahrer und einige Reisebusse, welche die uns allen bekannten Menschen mit zeitlich ausgesprochen angespannten zeitlichen Reisebudgets befördern, fluten allesamt die Great Ocean Road. Jeder strebt zu den 12 Aposteln, von denen schon reichlich abtrünnig geworden sind, obwohl die übrigen Küstenabschnitte dem in nichts nachstehen, aber seltener auf dem Menü der Fastenjoying Touristen aufzutauchen scheinen. 


Beschlossen haben wir diesen großartigen Roadtrip in Melbourne. Einer unfassbar l(i)ebenswerten Stadt, dessen Skyline sich am Yarra River aufreiht, um dessen Wasser gebührend in den nahen Ozean zu verabschieden. Schöne Parks, das Meer, eine sehenswert aufgeräumte Kulisse und viel Action durch die aktuell stattfindenden Australian Open. Wir haben uns Tickets für die opening ceremony gegönnt und einen schönen Nachmittag mit vergangenen Ikonen der umliegenden Stadien verbracht. 


An diesem Traum gibt es dieses Mal nichts auszusetzen. Das war nahezu perfekt inszeniert und kann vorbehaltlos mit 5 Sternen weiterempfohlen werden. Bemerkenswert ist, dass wir auf über 5000 km keine zwei Hände voll Baustellen hatten, die sich uns in den Weg gestellt haben. Wenn das in Deutschland auf der Autobahn für 5000 Meter funktioniert, ist das schon ein Grund zu feiern, als wäre es schon wieder der Jahreswechsel. Insgesamt war das in jedem Fall ein tolles Land - wir komme wieder, keine Frage. Die nächste Traumdestination folgt aber schon. Das Land des Herrn der Ringe - Neuseeland. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Gabi (Mittwoch, 21 Januar 2026 12:48)

    Das wort "Traumort" ist wirklich passend, aus dem feuchtkalten Nass kann mann sich eine solche Welt gar nicht vorstellen, sogar das Tagträumen davon ist nebulös und will mir nicht gelingen.
    Mir geht durch den Kopf: ich habe dieses JAhr schon ein Reh geshen:-) Viele tolle Eindrücke und Erlebnisse euch Beiden!!!