Samoa
All zu lang ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht her, dass geschmückte Bäume in heimischen Wohnzimmern standen, zu dessen Füßen mehr oder weniger liebevoll verpackte Aufmerksamkeiten auf ihren Empfänger warteten. Haben Bestimmung und Beschenkter zueinander gefunden, geht es los. Miene einfrieren, Geschenk öffnen, Augen zukneifen, hoffen … Socken, yippie mega, oder halt wirklich was cooles. Meist sind es die Pakete, denen man ihr Potential nicht zutraut, die einen echt überraschen. Kommen wir mal zur Analogie, dem Reisen. Ähnlich wie die zuvor geschilderte Situation ergeht es uns auch bei der Erkundung fremder Länder. Wir lesen die Beschreibung eines Landes, es formt sich eine virtuelle Realität, die es dann real zu untermauern gilt. Samoa ist so eines der unspektakulär verpackten Geschenke, welches beim Wichteln sicher nicht als erstes ausgewählt würde, aber nach dem öffnen haut es einen echt um. Die Häuser sind liebevoll gestaltet und bunt bemalt. Gefühlt ist jedes 7 Gebäude eine Kirche und vor jedem Haus ist ein immens großer Pavillon gebaut, in denen selbst Großfamilien aus dem ersten Land des asiatischen Kontinents Hochzeit feiern könnten. Das eigene Haus empfinden die Einheimischen als derart privat, dass man sich diesen zusätzlichen Raum gönnt, um Besuch nicht in den eigenen vier Wänden zu empfangen.
Das Land ist ausgesprochen faszinierend und selbst die Busse sind kleine hölzerne Kunstwerke in denen die Gäste mit polynesischen Klängen beschallt werden. Dazu sind die Menschen unfassbar freundlich, herzlich und erfreut, wenn ihre ehemaligen Kolonialherren anhalten, um saftige und schmackhafte lokale Ananas zu verdrücken. Da kommt schon mal die gesamte Familie zusammen um diesem Ereignis beizuwohnen.
In unserer Unterkunft treffen wir einen Einheimischen, der mit seinem Kumpel aus Australien gemeinsam eine kleine Rundreise unternimmt. Beim Lagerfeuer gibt es zahlreiche
Geschichten über Gepflogenheiten des Landes und seiner Bewohner. Das lokale Bier hat 7% Wirkstoff und ist somit mit Vorsicht zu genießen. Wir sind am nächsten Morgen froh, dass wir Vernunft
walten lassen haben und uns somit noch an die Kuriositäten des Abends erinnern. Anders als einer der Beiden, deren Gesellschaft wir dort genossen haben. Es kann schon mal vorkommen, dass man die
Badehose zum schwimmen dann doch lieber nicht mitnehmen will und sie dann trotz Vollmond nicht mehr wiederfindet, oder nachts aufwacht und sich wundert, warum der Fuß schmerzt. Dabei geriet
offenbar schnell in Vergessenheit, dass er mit dem Fuß in die Feuergrube gerutscht ist, als er der drückenden Blase Luft verschaffen wollte. Wild, zum Glück ist nichts schlimmeres passiert. Am
nächsten Tag treffen wir die beiden samt Verstärkung zum Abendessen. Alles super spannende Menschen, was sie so machen. Der Neffe des Präsidenten sitzt bei uns und eine Kenianerin im Auftrag der
UNO. Das Essen lässt sie ausfallen und gönnt sich statt dessen lieber eine komplette Flasche Sekt. Eine Japanerin meint nach einem Fläschchen Bier schon ähnlich beschwingt zu sein wie
der Gewinner des Vorabends. Herrlich diese verrückten Seelen. Als die Meute nach der durchfeierten und dem Geruch nach auch durchzechten Nacht morgens um 3 am Flughafen auftaucht, um uns zu
verabschieden, sind wir erfreut und schockiert zugleich, da sie noch in den eigenen Autos dort hingefahren sind, was immerhin fast 45 Minuten in Anspruch nimmt. Einer gewissen Vorahnung folgend
haben wir uns für den frühen Exit entschieden und uns ohne durch den Club zu gehen direkt mit dem Taxi zum Flughafen begeben. In dem Land gelten in jedem Fall eher Prozent als Promillegrenzen am
Steuer.
Tonga
Ähnlich herzlich aber auch verrückt startet unser Besuch von Tonga. Wir sitzen schon im Flieger, als alle wieder aussteigen sollen, da sich ein Vogel mal die Turbine genauer angeschaut hat und nun erstmal Reparaturen und Reinigungsarbeiten erforderlich sind. Ich hatte dem Fahrer der uns am Flughafen abholen will noch geschrieben, er hat sich jedoch dazu entschieden die Wartezeit lieber mit 4 Dosen Bier am Terminal zu verhopfen. Das Paket der Korpus Delikti liegt säuberlich verschnürt im Kofferraum. Glücklicherweise merkt man ihm seinen Pausensnack aber nicht an als er uns einen ersten Eindruck der Stadt und der Gepflogenheiten des Königreiches Tonga verschafft.
Die ersten Tage verbringen wir zu Fuß die Insel Eua erkundend. Wir wohnen in einer kleinen Unterkunft und werden direkt wie ein Teil der Familie behandelt. Die Landschaft auf der Insel ist sehr schön und es gibt einen großen Nationalpark zu erkunden. Im ganzen Land ticken die Uhren definitiv in einem anderen Takt und es kann schon mal sein, dass man sein Auto am Straßenrand parken muss, da wieder seit Wochen kein Benzin auf die Insel gebracht wurde und die Reserve nun auch mal aufgebraucht ist.
Das Land ist sehr spannend und gefällt uns landschaftlich sehr gut. Die Menschen freuen sich definitiv darüber, dass wir uns am anderen Ende der Welt überlegt haben ihnen einen Besuch abzustatten. Einen Tag bekommen wir den Wagen des Besitzers unserer Unterkunft und können damit die restlichen Sehenswürdigkeiten abfahren. Ganz spannend auch hier, was es zu sehen gibt.
Da ich jetzt nicht unbedingt den Reiseführer rezitieren möchte widme ich mich mal wieder den Beobachtungen. Es ist auffällig, dass es im Land gefühlt noch mehr großzügig beleibte Menschen gibt als im Königreich des Fastfoods mit ihrem Zolltroll. Schon morgens auf dem Weg zur Schule hängen an den Armen der Kinder Tüten frittierter Kartoffeln. Einige der Kinder sind derart gut im Futter, dass sie kaum ein paar Stufen auf die Fähre hoch kommen. Aber nur um sicher zu gehen haben die Eltern für die 2,5 Stunden Überfahrt vorgesorgt. 6 Tüten Chips, ein Kuchen, Kekse, 1,5 Liter Zitronenbrause, 3 Dosen koffeinhaltiges Zuckerwasser und gut zwei Hände voll Dauerlutscher, damit nicht nur die hiesigen Herzchirurgen, sondern auch die Zahnärzte etwas zu tun haben. Das alles für 3 Personen und nicht etwa eine Geburtstagsparty mit 33 Gästen. Während wir auf die Abfahrt warten starren die Eltern auf ihr Handy und der Sprössling hat brav die erste Tüte Nachos dem Aufbau der eigenen Hüften zugeführt und mit einem Kaltgetränk, das mit der roten Banderole, nachgespült. Schon beim Anblick krampfen meine Herzkranzgefäße, wie sonst meine Waden nach einem Marathon. Egal wo man im Land ist, es wird ständig geknuspert und das vom frühestem Kindheitsalter an. Hier hat eine Industrie ein Imperium von Abhängigen geschaffen, was dem sonst so verbreiteten Nikotinkonsum in nichts nachsteht. Immerhin die Schulen sprechen das Problem an und versuchen die Kinder zu sensibilisieren, wozu die durch die generelle Behäbigkeit scheinbar ebenfalls ausgebremsten Gehirnzellen der Erzeuger nicht mehr in der Lage sind.
Es ist schon zum Kopf schütteln, wenn man sich vor Augen hält wie schwer es ist, sich in dem Land ausgewogen zu ernähren. Gemüse und Obst sind bis auf in der Hauptstadt recht rar und entsprechend hochpreisig. Wie kommt das in einem Land wo alles wachsen und gedeihen sollte. Der wesentliche Grund ist, dass die jungen Leute, die Landwirtschaft erlernt haben, das Land verlassen, da sie mit ihren Fähigkeiten in Australien und Neuseeland mehr Geld erlösen können. Daher ist das Land darauf angewiesen Agrarerzeugnisse aus eben diesen Ländern zu importieren. Aufgrund der damit verbundenen Kosten kann sich dann aber von den Daheimgebliebenen kaum noch einer Obst und Gemüse leisten. Familien sind sehr sozial zueinander und so senden dann die jenigen, die viel haben Unterstützung an die jeweils andere Partei. Das ist schon ein schräger Kreislauf, bei dessen näherer Betrachtung man schon ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln bekommen kann.
In dem Sinne: Auf und weiter nach Nauru, mal sehen was uns dort erwartet.

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Wolf (Samstag, 14 Februar 2026 22:02)
Hi Ihr Lieben Weltreisenden,
der Südseebericht über die kulinarischen Gewohnheiten einiger?? Einwohner liest sich im ersten Moment erheiternd, wirkt andererseits aber nach, wie mit einer archiasischen Keule vermittelt. Führen uns Deine pointierten Ausführungen doch die Essenz westlicher - ach so moderner sowie gleichzeitig verderblichen, in der Ausführung vereinfachenden und daher für viele erstrebenswerter!! Lebens- und genussweisen mit ihren Auswirkungen vor Augen.
Schöner Bericht
Gruß Wolf