Chapter 8 - Australien, Cook Islands und Tahiti

Wie beschreibt, beziehungsweise fasst man eine unbeschreibliche Reise zusammen? Garnicht so trivial. Es war in jedem Fall traumhaft und wir haben jeden der 138 Tage genossen. Wie viel Zeit und Gedanken wir in diesen etwas ausgedehnteren Urlaub investiert haben und sich dabei eine virtuelle Realität entwickelt hat. Die Vorbereitung war in jedem Fall schon ein Teil der Exkursion, da wir bei jedem Griff zum Reiseführer gedanklich in die Zukunft entflohen sind. Ist die Reise in der Regenzeit machbar? Sind die Ziele spannend genug, um unserer immer währenden Neugier, Abenteuerlust und Rastlosigkeit gerecht zu werden? 


Insgesamt war das gesamte Projekt eine umwerfende Erfahrung. 138 Tage mit 12 Kilo Heimat auf dem Rücken unterwegs lehren einen Genügsamkeit, sich zu fokussieren und so manches Mal zu improvisieren. Die Eindrücke waren Genuss pur. Besucht haben wir 21 Länder, die verschiedener nicht sein könnten. Wir haben weit mehr als 50.000 km zurückgelegt, haben uns über den derzeitigen Zustand unserer vor Abreise neuen Schuhe gewundert und dann festgestellt, dass wir in diesen mehr als 1500 km hinter uns gelassen haben. Wir sind per Anhalter gefahren, haben auf Ladeflächen gehockt, uns in kleinen Booten von Wellen durchschütteln lassen und unfassbare 45 Flüge hinter uns gebracht. Die gesamte Reise war eine Bewährungsprobe für unsere Körper, alles was wir mitgeführt haben und so manches Mal auch für den Verstand. 


Die Diversität dessen, was wir vorgefunden haben hat uns sehr überrascht. Es hat sich ein deutlich anderes Bild dieser Region ergeben, als das, was sich bei unserer Planung geformt hat. Bei Südpazifik schwebten uns immer kleine Sandhaufen im Meer vor, wo sich einem die Palmen am Strand höflich entgegen neigen. Dazu Stroh-bedeckte Strandbars mit exotischer Musik und schmackhaften Kaltgetränken. All das haben wir vorgefunden, jedoch waren das eher die Raritäten. In Wirklichkeit haben wir zahlreiche riesige Eilande mit üppigem Wald oder Plantagenbewuchs vorgefunden. Viele der Länder waren derart wenig entwickelt oder besucht, dass es kaum Aktivitäten oder touristische Infrastruktur gab. Bars am Strand oder nette Restaurants waren die Seltenheit, da das wenige Geld, was die Leute verdienen, aber auch nur benötigen, nicht für Bars oder eben Restaurants, sondern eher für Bethel Nüsse und Autos ausgegeben wird. Es ist überwältigend, welche Schönheit diese Region zu bieten hat und wie (erfreulich) wenige bisher kommen um sich das Schauspiel der Natur in ihrem grünen Gewand anzusehen. Wir haben versucht unsere mannigfaltigen Impressionen in über 6000 Fotos zu konservieren und haben diesen Blog für uns und Euch genutzt die wesentlichen Eindrücke festzuhalten, da die Details sicher irgendwann verblassen werden. Ich bin gespannt, was sich mit etwas Abstand als Essenz herauskristallisiert. Die Reise war ganz anders, als die Reisen, die wir sonst unternehmen und wir haben uns im Vorfeld unweigerlich und mehr als einmal gefragt, ob das nicht etwas zu wenig Abenteuer für unseren Geschmack wird. Im Nachhinein können wir sagen, dass das, was uns vorgesetzt wurde, wirklich gut gewürzt war. Wahrlich Sterneküchen geeignet. 


Auf der Südhalbkugel, bei ausreichendem Abstand zum Äquator kleidet sich die Natur langsam in herbstliche Töne und signalisiert uns damit, dass sich die 20 Wochen Auszeit dem Ende neigen und wir uns wieder den frühlingshaften Farben der Heimat widmen müssen. Der Gedanke an Arbeit und die Heimat erfüllt uns glücklicherweise nicht mit Freude, sondern ist von Wehmut geprägt. Unser Hunger auf weitere Erkundungen ist weiterhin groß. Was uns nach vorn blicken lässt ist die Gewissheit, dass wir einen derartigen Urlaub in jedem Fall wiederholen wollen. 


Was für uns eine der faszinierendsten Impressionen der Reise war, ist die Fähigkeit der Natur und bedingt auch der Menschen sich anzupassen und von neuem zu beginnen. Die Trägheit der Spezies schiebt Veränderung zwar immer bis zur letzten Sekunde oder bis nach eintreten der Katastrophe auf, aber dann ist diese Fähigkeit um so ausgeprägter. Allesamt, Mensch, sonstige Tiere und die Natur, überstehen viele katastrophale Ereignisse wie Erdbeben, Brände und Vulkanausbrüche und fangen danach auf nahrhaftem Boden von neuem an. All das geht erstaunlich schnell und macht uns Hoffnung bei den Sorgen, die entstehen, wenn man die sonst in unendlicher Zahl auf uns einprasselnden Nachrichten über Zerstörung und über alle Maßen hinausgehende Gier einzelner auf sich wirken lässt. Die Naturgewalten, die wir beobachtet haben, haben uns gezeigt, dass alles nur eine Frage der Zeit ist, bis die regenerativen Kräfte etwas Neues geschaffen haben. Glücklicherweise sind Menschen und ihre zerstörerische Kraft relativ kurzlebig. Alles kommt irgendwann zum Ende und das ist dann, wie nach einem Waldbrand oder Vulkanausbruch der Nährboden für die Renaissance der Natur. Der Planet hat glücklicherweise Zeit, die wir Menschen nicht haben. Dennoch könnten wir uns mit etwas Mühe und weniger Egoismus den Hauch unserer eigenen Kurzgeschichte angenehmer gestalten und auch für die uns nachfolgenden Generationen diesen Planeten derart bunt und spannend konservieren, wie wir ihn aktuell noch vorfinden. 

Australien

Was in den letzten Wochen noch geschah:  Auch wenn ich das Gleichnis in ähnlicher Form bereits bemüht habe, greife ich dennoch erneut zu. Die letzten Wochen fühlten sich irgendwie wie die Zugabe eines phänomenalen Konzertes an. Man hofft, man weiß, da kommt noch etwas und meist hebt sich die Band ein wahres Feuerwerk für den Nachschlag auf. So erging es uns auch in den letzten Wochen. 

Die Auswirkungen meines unfreiwilligen Badeausflugs im Fluss in Neukaledonien haben sich glücklicherweise inzwischen nahezu komplett in Luft aufgelöst. Damit kommt ohnehin schon Erleichterung auf. In Australien haben wir dann ein paar wundervolle Tage auf Stradbroke Island mit Koalas und zahllosen Kangaroos verbracht. Die Natur war traumhaft und die Tierwelt wieder sehr eindrucksvoll. Hinzu kommen Orte wie Brisbane, was uns überraschend gut gefallen hat, Byron Bay mit seinem perfekt platzierten Leuchtturm und Noosa, was ebenfalls mit toller Küste und einem super schönen Örtchen aufwartet. Wie schwer manchmal der Abschied aus diesem traumhaften Teil der Welt fällt, sehen wir am Flughafen Brisbane. Eine Familie geht auf Reisen und der Rest der nicht mit Fliegenden steht am Flughafen und verabschiedet sich ausgiebigst. Die gesamte Warteschlange bis zu den Gepäckkontrollen hinweg wird geweint und gewunken. Das ganze geht sicher 20 Minuten so. Ich glaube die Drei reisen zum ersten Mal. Selbst das Bild der favorisierten Körperhaltung im Scanner bekommen sie nicht imitiert und treiben das Sicherheitspersonal in den Wahnsinn, weil selbst während der Kontrolle geweint und gewunken wird. Das ist schon ein seltsames Schauspiel. Ich hätte die Zeremonie in privatere Gegebenheiten verlagert. 

Cook Islands

Allein das Land war eine perfekte Zusammenfassung dessen, was wir im Südpazifik in den letzten Monaten vorgefunden haben. Rarotonga wartet mit üppig bewaldeten Gipfeln auf, die sich aus dem türkisfarbenen Wasser empor recken. Beim Cross Island Track erklimmen wir mit Hilfe von Ketten und Seilen eine der Höhen und der Ausblick, der sich uns bietet ist mindestens so atemberaubend wie der vorherige Anstieg. Am höchsten Punkt auf einem Stein in luftiger Höhe hat jemand sein Portmonee liegen lassen. Beim Abstieg durch den gurgelnden Bachlauf, den wir unzählige Male kreuzen, klettert nach den vergangenen Erlebnissen in jedem Fall der Respekt mit und wir malen uns aus, wie der Eigentümer der zurückgelassenen Geldbörse fluchen mag, dass er den beschwerlichen Weg erneut auf sich nehmen muss mit geringer Aussicht auf Erfolg seinen kleinen Schatz tatsächlich wieder zu finden. Der Inhaber wohnt zufällig in der selben Unterkunft wie wir. Als wir Portmonee und Eigentümer wieder zusammenführen, freut sich dieser erstaunlich dosiert und sagt lediglich recht wortkarg danke und erläutert uns, dass er mit Nachnamen Pan heißt und Rarotonga für sein Neverland hält. Er hat anders als Peter Pan nicht seinen Schatten verloren, sondern die Geldbörse, aber er war sich sicher, dass er sie wieder bekommt. Mir wäre als Dankeschön für die Wiederbeschaffung ein Kaltgetränk sicher lieber gewesen als diese Geschichte, die mir Gedanken über lockere Schrauben einflößt, aber fürs Karma war es sicherlich trotzdem gut. 

Auf Aitutaki empfängt uns die Natur mit einer perfekten blauen Lagune, die es unweigerlich in jeden Urlaubsprospekt schaffen würde. Der Juwel ist jedoch Atiu. Anders als auf anderen Inseln ist die Besiedlung der Insel in deren Mitte auf einem Plateau erfolgt und der ursprüngliche Regenwald umringt die Insel während die Wellen gemächlich am weit draußen liegenden Riff brechen und damit das Eiland von einem flachen Fußbad umgeben ist, von dem aus man das farbliche Schauspiel gemütlich bestaunen kann. 340 Einwohner zählt dieser winzige Fleck Land im tosenden Ozean. Zwei Mal pro Woche kommt ein Flugzeug und bringt neue Gesichter, aber auch alte Bekannte mit sich. Viele sind es bei den 18 Sitzplätzen jedoch nicht. Safe Travels sagt man auf Atiu indem man dem Reisenden Blumen umhängt und den Frauen Kränze aufsetzt. Manch einer passt kaum durch die Tür des Flugzeugs und drinnen ist der Duft nach frisch geschnittenen Blumen eine angenehme Abwechslung, außer für die Menschen, die mit allergischen Regungen ihrer Körper auf das Blumenmeer reagieren. Am Flughafen organisiert uns eine Einheimische auch ein wenig Schmuck. Sie sorgt sich vielleicht um das Schicksal aller, wenn zwei Pechvögel mit an Bord sitzen. 

Tahiti

Auf Moorea stürzen wir uns nochmal mit Maske und Atemregler bewaffnet in das die Insel umgebende Nass. Das erste Mal, dass ich wieder im Meer bade seit fast anderthalb Monaten. Das ist schon unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass wir in der fürs Baden wohl prädestiniertesten Gegend dieses Planeten unterwegs waren. Unter Wasser warten Schildkröten, Haie und jede Menge Rochen auf uns. Über der Wasseroberfläche ragen die Berge wie gigantische Zähne aus einem alten Kraterrand empor und bieten uns bei der Besteigung eines dieser Zähne einen umwerfenden Weitblick. Was ein unglaublich schöner Ort unseres Planeten. 

Als wir morgens Frühstück bestellen und eine Flasche des gekrönten Wassers aus dem Eifeldorf Gerolstein serviert bekommen, staunen wir nicht schlecht. Eigentlich ist das unfassbar, was wir Menschen für einen Wahnsinn betreiben. Wir verschiffen Wasser aus der Eifel in den Südpazifik und im Gegenzug wird Wasser von den Fijis in die Gegenrichtung transportiert. Wasser!!! Bei Ländern, die keine eigenen Ressourcen besitzen, mag sich mir das Konzept der Zuführung aus nahegelegenen Ländern erschließen, aber das ist tatsächlich etwas wild für meinen persönlichen Geschmack. Zumal es nicht nur beim Wasser bleibt, sondern insbesondere die französischen Überseedestinationen allerlei Annehmlichkeiten aus heimatlichen Gefilden heranschaffen, um die Heimat nicht zu sehr zu vermissen. 


An allen Stellen in diesem Teil der Welt treffen wir auf Erinnerungen an den unermüdlichen Entdecker James Cook. Was einen Mut dieser Mann mit seiner Crew aufgebracht hat, um diese Welt zu erkunden. Ich bewundere die Beschwerlichkeiten und vor allem Entbehrungen, die seinerzeit in Kauf genommen wurden, um diesen entlegenen Teil der Welt zu erkunden. Für uns war es ganz sicher komfortabler und weniger abenteuerlich, aber nicht minder eindrucksvoll und wird ganz sicher noch einen langen Nachhall bieten, wie ein Schluck eines exzellenten Rotweines, über dessen Geschmack und die diversen Nuancen wir ganz sicher noch eine Weile philosophieren werden. Unsere persönliche Naturkatastrophe der Rückkehr in heimatliche Gefilde ist unausweichlich und wir sind gespannt, was auf dem hinterlassenen Nährboden für neuerliche Reisepläne gedeihen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Wolf (Freitag, 22 Mai 2026 13:04)

    Hallo Ihr Zwei, das ist ein sehr schöner Abschlussbericht. Insbesondere der retrospektive Einstieg mit den Gedanken an die Planung in Verbindung mit den dann erfahrenen Eindrücken, die weit über das in den Urlaubsprospekten vermittelte hinausgehen. Das zu lesen ist bereichernd.
    Lieben Gruß, Wolf